Unverdrossen gingen Abt Theodor und der Konvent an die Beseitigung der Schäden aus der NS-Zeit und des Krieges. Die Räume des Stiftes mussten für die Patres die von den Pfarren oder aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrten, wieder beziehbar gemacht werden. Schule und Konvikt wurden wieder eröffnet. Nach langwierigen Verhandlungen kamen die ausgelagerten Kunstschätze wieder ins Stift zurück. Mehrere junge Männer, die in den Orden eintraten, gaben Hoffnung und Zuversicht. Notwendige Renovierungsarbeiten an der Wallfahrtskirche Sonntagberg und der Wiederaufbau des kriegszerstörten Seitenstettnerhofes in Wien verschlangen große finanzielle Mittel. Aus sozialer Verantwortung und bedrückt von der Wohnungsnot stellte das Stift Seitenstetten günstige Grundstücke für den Bau von Wohnhäusern zur Verfügung. Zum 70. Geburtstag des Abtes Theodor (1955) hatten P. Petrus Ortmayr und P. Ägid Decker ihre Stiftsgeschichte „Das Benediktinerstift Seitenstetten“ eben vollendet.

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Marmorsaal

Abt Ägid Decker (1958 – 1962) führte während seiner kurzen Amtszeit mehrere Vorhaben zu Ende: die Zentralküche im Stift, die Renovierung von Kirchen in den inkorporierten Pfarreien, Moderni-sierung des Meierhofbetriebes.
Zu den Hauptanliegen des Abtes Albert Kurzwernhart (1962-1984) zählte die Renovierung der Seitenstettner Stifts- und Pfarrkirche, die durch die Freilegung der übertünchten Gemälde in den Decken-feldern ihren prachtvollen Eindruck zurückgewann.
Mit Vorsicht und Toleranz setzte Abt Albert Schritte der Erneuerung, die das Zweite Vatikanische Konzil auch für die Klostergemeinschaft gewiesen hat. Festsäle machte der Abt für Stiftskonzerte und Veranstaltungen der Erwachsenenbildung zugänglich.



Kaum hatten die Mitbrüder P. Berthold Heigl zum neuen Abt gewählt (1984 ), setzte die konkrete Planung für die umfassende Restaurierung des gesamten Stiftsgebäudes ein. Der Beitrag des Stiftes, öffentliche Fördermittel und die freiwillige Mitarbeit vieler Helfer ermöglichten in mehreren Arbeitsetappen die umfassende und behutsame Restaurierung des gesamten Baukomplexes im Sinne der Denkmalpflege.

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Maturasaal
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Promulgationssaal
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Abteistiege

Im Inneren wurde vor allem die Abteistiege einer gründlichen Erneuerung unterzogen. Ein neuer Depotraum mit Klimatisierung und Alarmsicherung nahm Teile der stiftlichen Sammlungen auf. Die romanische Ritterkapelle bietet in ihrer neuen Funktion Be-suchern und Gästen die Möglichkeit am Chorgebet der Mönche teilzunehmen. Im Jahre 1988 war das Stift Seitenstetten, der „Vierkanter Gottes“, Schauplatz der NÖ Landesausstellung „Kunst und Mönchtum an der Wiege Österreichs“.

Ein Großteil der klösterlichen Kunstgegenstände wurde erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Stift birgt in seinen Sammlungen unschätzbare Meisterwerke der Malerei und Graphik (Paul Troger, Martin Johann Schmidt, Alessandro Magnasco, Daniel Gran), der Plastik (Figuren der Donauschule, Joseph Thaddäus Stammel, Josef Paul Sattler) und des Kunst-handwerks (gotisches Rauchfass, Sonntagberger Monstranz).

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Der Meierhof

Der Meierhof beherbergte die Begleitausstellung „Der Most und sein Viertel – Eine Region stellt sich vor“. Fast 250.000 Besucher kamen in diesem Jahr nach Seitenstetten, das im Zentrum des niederösterreichischen Kulturgeschehens stand.

Im Meierhof mit seinen drei Höfen, der schrittweise einer gründlichen Erneuerung unterzogen wurde, steht ein Fest- und Veranstaltungssaal zur Verfügung. Auch die architektonisch prächtigen Kellerräume werden genützt.

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Galerieabend Kremser Schmidt

Viele Kunstschätze einschließlich Werke zeitgenössischer Künstler werden in der erweiterten Galerie kunstgerecht präsentiert.

Können viele Kunstschätze bei Stiftsbesuchen und Stiftsführungen besichtigt werden, bietet das Stift häufige Sonder- und Gedächtnisausstellungen mit spezieller Thematik. Zahlreiche junge Künstler traten hier mit ihren Werken an die Öffentlichkeit. Als Beitrag zur Zeitge-schichte war eine Ausstellung dem wohl prominentesten Absolventen des Seitenstettner Stiftsgymnasiums gewidmet: „Julius Raab – Aussaat und Ernte“ Weil das Stift rund 80 Werke von Martin Johann Schmidt besitzt, gedachte man des 200. Todestages mit der Sonderausstellung „Kremser Schmidt – Meister des Hell und Dunkel“. Im Jahre 2003 stellte P. Martin Mayrhofer, Kustos der stiftlichen Sammlungen und vielseitiger Künstler, in einer repräsentativen Schau das Werk der Künstlerfamilie Altomonte vor. Themenschwerpunkte der beiden letzten Jahre waren „Zu Gast beim Abt“ und „Arbeit und Feste“.

Die Außenrenovierung der Friedhofskirche St. Veit ist bereits abgeschlossen.
Das Öffentliche Stiftsgymnasium, das im Herbst 1945 wieder eröffnet werden konnte, ist in erneuerten Unterrichtsräumen modern ausgestattet. Das Obergymnasium ist in einen humanistischen und neusprachlichen Zweig geteilt. Seit 1972 besuchen auch Mädchen die Privatschule. Rund 380 Schüler werden von etwa 40 Lehrern, darunter fünf Patres unter-richtet. Zu den bedeutendsten Absolventen des Stiftsgymnasiums zählen Kardinal Franz X. Nagl, der Wiener Bürgermeister Cajetan Felder, die St. Pöltner Bischöfe Michael Memelauer und Franz Zak, Bundespräsident Wilhelm Miklas, Bundeskanzler Julius Raab, und Außenminister Alois Mock. Die stiftlichen Internate sind seit einiger Zeit geschlossen.
Auf Grund des guten Personalstandes können die Seitenstettner Benediktiner in den 14 inkorporierten Pfarreien, in denen mehr als 22000 Menschen leben, ihre Seelsorgsarbeit ausüben.

In den Räumen des Gymnasiums ist auch die Anselm-Salzer-Bibliothek untergebracht.
Der neue Theatersaal, der an barocke Tradition anschließt, ermöglicht eindrucksvolle Theateraufführungen. Das regionale Bildungszentrum St. Benedikt setzt in seinem Bildungsangebot die Schwerpunkte auf religiöse Bildung, auf die Förderung geistlicher Berufe und auf Persönlichkeitsentfaltung sowie auf Ehe und Familie und Gesundheit. Das bischöfliche Seminar ist mit Ende des Schuljahres 2005/06 geschlossen. Das Haus Gennesaret will Berufungen zum Priester- und Ordensstand fördern und Menschen begleiten, die auf der Suche nach ihrem Weg sind. Das Jugendhaus der Diözese St. Pölten, der Schacherhof, steht Jugendlichen offen, die Gemeinschaft erfahren und sich mit Spiritualität, Glaube und Kirche auseinandersetzen wollen.

Die alte Klosterpforte musste einem Klosterladen weichen, der zugleich Informationsstelle und Verkaufsraum für Bücher, Erzeugnisse des Stiftes etc. ist.
Das Stift Seitenstetten hat sich mit bleibenden geschichtlichen Leistungen, mit seiner geistigen Ausstrahlungskraft und seinen vielfältigen Aktivitäten einen festen, zentralen Platz im Herzen des Mostviertels gesichert.

Auch in Seitenstetten folgten auf die Schrecken des Krieges die Schrecken der Besatzungszeit. Am 8. Mai 1945 rollten die ersten russischen Panzer durch den Markt, Militär rückte nach. Aber schon eine Woche später machten sich besonnene Männer daran, die Gemeindeverwaltung wieder aufzubauen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Ämter und Aufgaben wurden provisorisch verteilt. Bei den Nationalratswahlen am 25. November 1945 errang die Österreichische Volkspartei den größten Stimmenanteil. Weil die politischen Verhältnisse trotz zunehmender Wählermobilität doch ziemlich stabil blieben, stellt sie seither immer auch den Bürgermeister.
Um die wachsenden kommunalen Aufgaben leichter bewältigen zu können, wurden durch Zusammenlegungen größere Gemeinden geschaffen. Mit 1. Jänner 1971 schlossen sich die Markt und Dorfgemeinde zur Marktgemeinde Seitenstetten zusammen. Anlässlich des Jubiläumsjahres „500 Jahre Markt Seitenstetten“ erarbeitete ein Arbeitskreis das Heimatbuch „Seitenstetten, Udalschalks Erbe im Wandel der Zeit“.
Die räumliche Entwicklung des Marktes ist bereits durch die Anlage des Stiftes und die Ausdehnung seiner Eigenwirtschaft nach Süden vorgezeichnet. Die Erweiterung nach NNW bestimmt noch heute sein Siedlungsbild. Seit 1947 entstanden vor allem auf ehemaligem Stiftsgrund zahlreiche Siedlungshäuser und Wohnhausanlagen. Auf dem Bildungssektor sind die Neubauten der Volks- und der Hauptschule die wichtigsten Investitionen für die Ausbildung der Jugend.
Obwohl die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe rückläufig ist, hat die Gemeinde ihre Agrarstruktur weitgehend beibehalten. Die Landwirtschaft gehört noch immer zu den wichtigsten Erwerbsquellen. Allerdings verdienen viele Menschen aus dem bäuerlichen Bereich ihr Einkommen in einem Nebenerwerb. Die Selbstvermarktung ihrer Erzeugnisse versuchen die Bauern auf dem Bauernmarkt und bei Mostheurigen. Wenn auch in Gewerbe und Handel die Kleinbetriebe überwiegen, hat sich Seitenstetten zu einem frequentierten Einkaufszentrum entwickelt. Die Nahversorgung ist gesichert. Die Marktgemeinde bemühte sich intensiv um die Ansiedlung von Industriebetrieben.

Das bedeutendste Unternehmen ist die Firma Peter Lisec, glastechnische Industrie.
Mit rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stellt der Industriebetrieb Maschinen und Anlagen für die Glasindustrie und die Isolierglaserzeugung her.
Der weltweite Export der Produkte sichert auch für kleinere Zulieferfirmen anspruchsvolle Arbeitsplätze.

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Firmenareal Lisec

Im ehemaligen Seminargebäude fertigt die Salzburger Firma Schneiders Kleider und Mäntel an. Zeichen wirtschaftlicher Dynamik sind die Adaptierungsarbeiten anlässlich der NÖ Landesausstellung, die Fassadenaktion zur Ortsverschönerung und Vermehrung der Parkplätze und Grünflächen sowie der großzügige Bau des Vereinshauses, der Sportplätze und der Sporthalle. Vom Segel- und Motorflugplatz kann man Rundflüge über das Mostviertel oder die Alpen unternehmen. An das erweiterte Kanal- und Wasserleitungsnetz sind auch die neu erschlossenen Siedlungsgebiete angeschlossen. Das Altstoffsammelzentrum begünstigt eine saubere Umwelt. Zum Ausbau der Hofzufahrten und Güterwege leisteten die Haus- und Grundbesitzer ihren Beitrag. Im November 2008 wurde Westumfahrung von Seitenstetten eröffnet. Zwei große Projekte der Gemeinde, die Ortsumfahrung Richtung Waidhofen/Ybbs und die Neugestaltung eines Ortsplatzes, sind in der Umsetzungsphase. Sie werden Aussehen und Lebensqualität des Marktes verändern.